Suche
  • christoffelg

Rauchquarz Kluft 2019/2020

Im Sommer 2019 habe ich an einer alten Kluft weitergearbeitet. Damit ist gemeint, dass diese Kluft vor mehreren Jahren gefunden wurde, aber vom damaligen Strahler als komplett ausgenommen betrachtet wurde. Es ist nicht immer einfach, abzuschätzen, ab wann eine Kluft ganz ausgenommen ist. Wenn ein Strahler jedoch keine Werkzeuge in der Kluft hinterlässt oder die Fundstelle nicht mit seinen Initialen markiert, gibt er die Fundstelle frei.

Mein Gefühl sagte mir, dass da noch etwas zu holen war. Nach etwa einer Stunde stiess ich auf Chlorid und konnte die ersten Kristallspitzen bergen. Diese waren komplett mit Chlorid überzogen – in meinen Augen nichts Schlechtes. Ich setzte meine Arbeit fort und stiess im rechten Teil des Felsens auf ein dünnes Quarzband. Glücklicherweise war dieses nicht direkt am Felsen sichtbar, sonst wäre die Kluft bestimmt schon früher entdeckt worden. Für mich gilt die Faustregel: Jede Kluft hat auf irgendeiner Weise etwas mit einem Quarzband zu tun. Das Band war sehr brüchig und liess sich allein von Hand abarbeiten. Von da an wusste ich, dass hier ziemlich sicher noch etwas zu holen war.






Ich kroch soweit ich konnte in die Felsöffnung und barg die ersten kleinen Quarzstufen. Diese waren von einwandfreier Qualität. Einige waren aber auch beschädigt. Im besten Fall sind die Kristalle in der Kluft in Lehm oder Chlorid eingebettet und wurden so bei der Entstehung der Alpen über Millionen von Jahren geschützt. Diese Kluft wurde wahrscheinlich vom Wasser ausgespült. Es war bereits Ende September und ich wusste, dass mir noch viel Arbeit bevorsteht, bis diese Kluft gut zugänglich ist.

Mitte Oktober fiel der erste Schnee. Das Strahlerfieber lockte mich am 26. Oktober aber noch mal auf den Berg. Im Dorf und bis auf etwa 2'200 m ü.M. lag dichter Nebel. Ich stellte mich auf einen grauen Samstag ein. Oben angekommen erstreckte sich unter blauem Himmel ein prächtiges Wolkenmeer über das Tal. Obwohl ich beim Aufstieg stellenweise auf meterhohe Schneeverwehungen stiess, war die Fundstelle relativ gut zugänglich. Grosse Quarzstücke kamen zum Vorschein. Diese waren noch nicht aus dem Kluftinneren, sondern gehörten zum Quarzband. Sie waren etwas milchig und für diese Region eher hell. "Quei cheu dat en da grond", dachte ich mir und fuhr mit der Arbeit fort.

Ich befand mich an einem Nordhang und so verabschiedete sich die Sonne schon relativ früh. Gegen 16 Uhr winterte ich meine Werkzeuge ein und machte mich auf dem Heimweg.

Der Winter 2019/2020 war nicht besonders schneereich. Trotzdem dauerte es bis Mitte September bis meine Stelle wieder vom Schnee befreit war. Mir blieb also nicht viel Zeit bis zum nächsten Wintereinbruch. Bis Mitte Oktober hatte ich Ferien und freute mich sehr auf die freie Zeit am Berg. Ich kam gerade von einer Woche Ferien am Meer. In Sizilien lagen die Temperaturen bei 35 °C und nun stand ich hier mit Wintermütze bei 5 °C.





Nach und nach arbeitete ich mich ins Kluftinnere vor. Während dieser Woche ging ich jeden Tag mit einem vollen Rucksack nach Hause. Beim Waschen der Schätze stellte ich jedoch fest, dass viele der Stufen beschädigt waren, obwohl ich sie beim Bergen nicht beschädigt hatte. Nun ja, vielleicht die einte oder andere... Auch mit der grössten Sorgfalt kann es ab und an passieren, dass man eine Stufe verletzt. Die Rauchquarze sind besonders heikel. Dort sieht man bereits den kleinsten Kratzer.

Alles in allem bin ich jedoch zufrieden. Die Kluft brachte mir etwa 10 Rucksäcke und zwei, drei neue Stufen in meiner Sammlung ein. Ich glaube, dass die Kluft nun komplett ausgenommen ist.

Ende September fiel bereits wieder der erste Schnee. Nun heisst es warten bis im Sommer 2021 bis das Strahlen in hohen Lagen wieder möglich ist.







263 Ansichten0 Kommentare